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14.07.22 - 18.07.22 Feeeeelfestival @ Bergheider See Lichterfelde

Verfasst: 20. Jul 2022, 13:34
von pirat
Das wars wieder - das erste große Festival seit 3 Jahren. Diesmal mit 241 Acts auf dem Timetable, verteilt auf 10 verschiedenen Bühnen.

Besonderheit 1: das Lineup wird beim Feel prinzipiell erst am Tag der Eröffnung bekanntgegeben. Also ein Überraschungsei im Wert von 180€.
Besonderheit 2: Zeltplatz und Festivalgelände sind ein gemeinsames Areal. Beide Eigenarten sind glaube ich Fusion-Like und auch vom sonstigen Erscheinen errinnert vieles an das F-Ding, das Feel kann man also vielleicht schon als die kleine Schwester der Fusion bezeichnen.

Diesmal waren wir zu fünft, eine richtig nette Runde. Da ich der mit dem Auto und dem Campingequipment war holte ich meine Crew vorher vom Finsterwalder Bahnhof ab, selbstverständlich hatte der Zug eine Stunde Verspätung, also gings dann erst recht spät zum Einlass, vorher ja auch noch Großeinkauf im Saufland. Die ganze Verzögerung und ein Missverständnis bei der Logistik hatte dann zur Folge dass ich dann das Zelt im Dunkeln aufbauen musste, zum Glück hatte ich den 20W-Akkubaustrahler mit, Glück gehabt. Ich war aber trotzdem leicht angenervt weil ich es gewöhnt bin das Ganze etwas professioneller anzugehen.

Dann endlich konnten wir uns schön hinsetzen und das erste Dosenbier öffnen & einen Blick ins Timetable werfen - und siehe da ich war schon wieder leicht entsetzt: Pan-Pot spielte während unseres Aufbaus zwischen 20 und 22 Uhr - das ist relativ bescheuert & der Nachteil eines Überraschungseis. Ich mag die Jungs sehr und hätte sie sehr gerne erlebt zumal sie unten am Wasser spielten.

Naja, isse Wurscht, kannste nix machen, wir sind dann in Richtung Mukke gelaufen und waren ein wenig entsetzt dass da zum ersten Tag ziemlich monotoner, stumpfer Kram kam, irgendwie überhaupt nicht das Richtige zum reinkommen, wir fanden dann aber doch eine Bühne wo es ein wenig melodischer war, zumindestens anfangs, aber 3 Uhr war Zick weil es einfach nicht zündete. Ich (oder wir?) mied(en) dann die restlichen Tage diese Bühnen. Denn den interessanteren Bühnenbereich hatten wir am Donnerstag in der ganzen Hektik gar nicht entdeckt, naja, passiert.

Da ich kein Kissen dabei hatte sah's mit Schlaf in der ersten Nacht schlecht aus, man ist halt verwöhnt. Für die nächsten Nächte bastelte ich mir eins aus Badetüchern und ner Decke und schon wars vieeeel besser.

Freitag dann erst mal Mittagsfrühstück, dann Planung, dann Geländecheck, ich war ja noch nie dort, außer mal die F60 besucht vor etlichen Jahren. Es gab verdammt viel zu entdecken - Deko, Bühnenbauten, Essenstände etc.
Die am schönsten & aufwändigsten gestaltete Stage war das DORADO mit unglaublich aufwändigen Holzlatten_3D_Skulpturen und Wänden, schön im Waldrand mit jede Mengen Terassen.
Vom Ambiente her war natürlich die STRANDbühne am genialsten, einerseits wegen dem Wasser als auch dass die Veranstalter einen gigantischen Leuchtturm mit angrenzenden Haus dahin gebaut hatten, ganz schön crazy, vor allem wenn man bedenkt dass dies das letzte Festival auf diesem Areal war. Die Lichtshow war auf dieser Bühne am eindrucksvollsten weil eine Matrix aus 6x4 Movingheads über dem Haus aufgebaut war welche eine ziemlich mächtige Kulisse bot - vorausgesetzt sie wurden auch passend zur Musik richtig angesteuert. Leider war dies nur am Freitag der Fall, am Samstag und Sonntag war das einfach nur noch LAME, ständig das selbe langweilige Programm, ohne Dynamik, ohne Abstimmung zur Mukke. Da frag ich mich doch was das soll - einerseits baut man technisch etwas richtig Gutes auf und dann wird es nicht in Szene gesetzt. Da kannste das auch weglassen. Schwache Leistung, auch gerade wenn man ans Eintrittsgeld denkt.
Das EXIT war die Sound- und Lichttechnisch beste Bühne, es stand eine Highend "Lambda Labs QX3" Hornanlage, unterstützt durch 10 Stück DH18 Subs, dort. Optisch & akustisch megagut und auch für die gesamte Tanzfläche ausreichend laut und druckvoll. Die anderen Bühnen waren klanglich auch Top, aber untermotorisiert - weiter hinten auf dem Dancefloor kam nicht mehr viel an. 4 oder gar 6 Punktanlagen wären da sinnvoll gewesen, aber daran hat man gespart, auch das ist schade. Im Exit-Floor gab es 4 hochwertige RBG-Laser, das kam richtig gut.
Es lief für mich darauf hinaus dass das Exit zu meinem Fav-Floor auserwählt wurde, ich lege nun mal viel Wert auf perfekten Sound und ne gute gute Lichtshow. Diese Entscheidung war im Prinzip goldrichtig denn auch die Mukke der meisten Acts auf dieser Bühne trafen meinen Geschmack. In der Top Ten meiner Best_of_acts des Feeels waren 6 auf dieser Bühne vertreten.
Konkret ging es los mit Katzengold (großartig), dann Township Rebellion & Dirty Doering(großartig) am Schluss des Freitags. Zwischendurch oder am Samstag war ein Liveact (Paji oder Niconè oder Stimming oder Kalipo) auf dieser Bühne am Start der irgendwie so zugeballert war dass er bei der Bedienung seiner Maschinen ständig ins grübeln geriet und seit Set faktisch total verrissen hat, buh, was für ein Freak.
Nina Hepburn als Exit-Opener am Samstag dann das nächste Wohlfühlerlebnis, super DJ mit vielen Piano-Tracks, traumhaft. Parra_for_Cuva gewohnt hypnotisch, Extrawelt auch super als Bühnenabschluss. Digitalism am Strand war LAME, Maik Gyver im NEST war besoffen und hat keinen einzigen Übergang hinbekommen, Sauerei sowas, zumal er mit Vinyl auflegte und ziemlich gute Tracks dabei hatte. Shame on you, ich hoffe er kriegt keine Kohle für diesen Shice.
Der Sonntag startete bei mit der zuckersüßen Mukkimiau (best DJ Name ever, sehr passend zu ihrer fröhlichen Erscheinung) im Dorado, super Sound, sehr exotisch, sehr spärisch, meine #1 !!! Danach konsequenterweise wieder ins Exit, Ele Luz und Prismode & Solvane richtig gut genauso wie Einmusik zum Schluss, dieser aber leider nur alleine und nur als DJ-Set, da war ich ein bißchen enttäuscht. Zwischendurch bei Marc Romboy am Strand gewesen - grundsolider, ehrlicher Techno wie ich es erwartet habe, perfekt.
Das wars zur Musike im Detail.

Generell muss ich negativ anmerken dass sich mir das musikalische Konzept sowohl innerhalb der Stages als auch gesamtheitlich nicht erschloss bzw. es unabgestimmt war. Der Flow von Act zu Act pro Bühne war nicht gegeben, es war teilweise ein ewiges Auf und Ab. Die Eröffnungsacts brachten manchmal viel mehr Energie als die Acts gegen Ende.
Von Bühne zu Bühne gab es zu manchen Zeiten exakt die gleiche Musik, eine spezifische Musikzuordnung zur jeweiligen Bühne suchte man vergebens bzw. war sie wie beispielsweise im Exit nur teilweise erkennbar. Auch die Vielfalt war nicht immer gegeben, beispielsweise waren House, Disco, Italo und Funk Mangelware und ich bin mir sicher dass diese Art Musik viele Freunde gefunden hätte.
Bei 10 (Musik)Bühnen sollte doch so etwas möglich sein....

Aber egal, in der Summe war es ein Super Festival was durchaus an der Musik, dem Ambiente und den Gästen welche alle durchweg freundlich und nett zueinander waren lag. Das Essensangebot war hervorragend und auch preislich im Rahmen (ab 1€ für eine Banana bis zu 12€ für Gyros glaube ich). 3,5€ für ne 0,33er Mate waren auch okay, das kann man machen. Nicefries waren meine Lieblingspommes!

Jo, ich glaub ich habe alles erwähnt was hängengeblieben ist, rückzu auf der B97 wollte ein Ferrari hinter mir unbedingt auf kurviger Straße eine Kolonne aus Bagger, Trecker mit Anhänger, Sattelschlepper und 2 PKWs überholen was natürlich was schiefgegangen wäre, das wärs noch gewesen....

Das Melt 2019 hat es für mich nicht getoppt, es fehlten dazu hier die notwendige Professionalität und auch der ein oder andere große und herausragende internationale Act. Auch aus Berlin vermisste ich aktuelle Größen wie Pablo Bozzi, Kendal, Curves,....

Link zur geplanten Umnutzung des Geländes (Brandenburgtypische Raffgier): https://www.saechsische.de/anzeige/grun ... 16601.html / https://www.lr-online.de/lausitz/finste ... 49808.html

Link zur PA: https://www.lambda-labs.com/de :inlove2:

Link zum Lineup: https://feel-festival.de/wordpress/wp-c ... mmheft.pdf

Nachtrag #1: Uns wurde gleich am ersten Abend ein Campingstuhl namens Helga geklaut! Ich bin zutiefst entsetzt, hab ihn auch nicht wieder gefunden. :twisted:

Nachtrag #2: Es war sehr staubig was den Faktoren "Brandenburger Wüste", "Braunkohleabraumdreck" und der Trockenheit und dem Wind lag. Die Böden der Floors bestanden größten Teils aus dieser wilden Mischung, meinen Füßen tat das tanztechnisch nicht so gut, hab mir dann zum Schluss immer Holzböden, welche am Rand der Stages zu finden waren, gesucht, da hielt ich dann viel besser durch.

Nachtrag #3: Schwach fand ich die Ausstattung des Geländes mit frei zugänglichen Trinkwasser, dies war so gut wie überhaupt nicht vorhanden, das war megaschwach. Man stelle sich nur vor wir hätten da die Hitze dieser Woche gehabt, vielleicht mit einem schönem Feuer in der Wüste, ojemine.
Gut organisiert war die Reinigung der Dixis, dies erfolgte 2x täglich, kann man nicht meckern.

Der Exit-Floor: Bild

Nachtrag #4: Das Kettenkarusell war voll der Publikumsmagnet. Schön mit der dazugehörigen Rummel-Trash-Musik. Feines Gimmik!

Nachtrag #5: Was ich sehr spannend finde dass offensichtlich der bekloppte Trend irgenwelche "kreativen" Schilder auf der Tanzfläche hochzuhalten beendet worden ist. Statt dessen werden jetzt sehr fleißig Schirmquallen und andere schön beleuchtete Figuren gebastelt und stundenlang hochgehalten. Das finde ich tatsächlich mal äußerst schick und sinnvoll, es wertet den Floor optisch auf jeden Fall sehr gut auf. Von mir großen Respekt fürs basteln und vor allem dem ewigen hochhalten und im_takt_zuckeln.
Mein Vorschlag wäre dazu mal einen Contest auszurufen welches Bastelobjekt am besten beim Publikum wegkommt.

Re: 14.07.22 - 18.07.22 Feeeeelfestival @ Bergheider See Lichterfelde

Verfasst: 26. Jul 2022, 10:04
von pirat